Dienstag, 9. Januar 2018

REZENSION zu Tote lügen nicht

Buchinfo

Titel: Tote lügen nicht
Originaltitel: Déja Dead
Autorin: Kathy Reichs
Seitenzahl: 576
Erschienen: 10.01.2011 (überarbeitete Auflage)
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-43559-9
Preis: 9,99 €

Inhalt

Missbraucht, erdrosselt und zerstückelt wird die 23-jährige Isabelle Gagnon in Müllsäcken aufgefunden. Temperance Brennan, die forensische Anthropologin wird zurate gezogen, da Skelette und vereste Körperteile ihre Spezialität sind. Dabei fallen ihr einige Parallelen zu einem etwas älteren Fall, in dem ebenfalls eine junge Frau brutal ermordet wurde, auf, doch der ermittelnde Detective Luc Claudel glaubt nicht an ihre Theorie eines Serienkillers, der in Montreal sein Unwesen treibt. Von der ungeheuren Brutalität der Morde beeindruckte Dr. Brennan beginnt selbst Nachforschungen anzustellen und bringt somit nicht nur ihre beste Freundin Gabby, sondern auch ihre Tochter in Gefahr.

Erster Satz

"Ich dachte nicht mehr an den Mann, der sich in die Luft gesprengt hatte."

Eigene Meinung

Kathy Reichs ist eine von 88 weltweit zugelassenen forensischen Anthropologen und doziert für das FBI in Quantico, sodass ihr 1997 erschienenes Erstlingswerk "Tote lügen nicht" mich nicht nur wegen des kriminalistischen, sondern auch wegen des fachlichen Aspektes gereizt hat und vier Eier bekommt. Vorneweg sollte betont werden, dass dieses Buch zahlreiche wissenschaftliche Passagen besitzt, in denen die Protagonistin, Dr. Temperance Brennan, ausführlich beispielsweise das Alter der Leiche anhand der Beckenknochen bestimmt oder die Tatwaffe durch genaues Ausmessen der unterschiedlichen Abtrennungsspuren der Knochen ermittelt. Ich fand das ungeheuer spannend, weil ich selbst Medizin studiere und man so eine praktische Anwendung des theoretischen Anatomiewissens erfuhr, aber wen solch detaillierte Beschreibungen eher abschrecken oder gar anekeln, sollte lieber die Finger von diesem Buch lassen. Fachlich ist die Geschichte von Beginn an auf höchstem Niveau angesiedelt, doch zugegebenermaßen hatte ich anfangs ein paar Startschwierigkeiten. Zum einen habe ich die zahlreichen eingestreuten französischen Begriffe anfänglich als störend empfunden, weil sie den Lesefluss gestoppt haben, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran und übersetzt die Worte gleich automatisch mit. Außerdem zog sich die Handlung auf den ersten hundert Seiten recht hin, mein Leseprozess schritt genauso stockend voran wie die Ermittlungen von Tempe Brennan und den zuständigen Polizeibeamten. Allerdings änderte dies sich gegen Mitte des Buches schlagartig, denn mit dem ersten Durchbruch in den Nachforschungen flogen die insgesamt knapp 600 Seiten nur so dahin, da die Spannung ob der nächsten Ereignisse kaum mehr auszuhalten war und ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Was mir an "Tote lügen nicht" ebenfalls sehr gut gefallen hat, ist die Figurengestaltung der handelnden Charaktere. Da wäre zum einen Tempe Brennan, 40 Jahre alt, eine 19-jährige Tochter, geschieden und als forensische Anthropologin tätig. Die Fälle der ermordeten Frauen lösen Emotionen in ihr aus, die sie in ihrer zunehmenden Abgestumpftheit ihres Berufs abhanden gekommen waren, Tempe Brennan sieht sich persönlich für die Aufklärung der Morde verantwortlich und stellt eigene Nachforschungen an und bringt sich mit ihren Alleingängen mehrmals in brenzlige Situationen. Detective Luc Claudel ist sie deshalb von Beginn an ein Dorn im Auge, er glaubt nicht an ihre Theorie eines Serienkillers und will sich über sie bei der Dienstaufsichtsbehörde beschweren, weil sie die Grenze ihrer Befugnis nicht nur einmal überschritten hat. Auf der anderen Seite gibt es Detective Ryan, der immer ein offenes Ohr für Brennan zu haben scheint, ihr sogar zunehmend Glauben schenkt und mehrmals als Mittler zwischen Claudel und der Anthropologin fungiert. Als kleine interessante Information für alle Krimiserienfans am Rande: Die Hauptfigur der Serie "Bones - Die Knochenjägerin", die 2005 das erste Mal ausgestrahlt wurde, heißt ebenfalls Dr. Temperance Brennan, jedoch ist sie deutlich jünger als ihr Pendant in Kathy Reichs Büchern und weist sowohl charakterliche als auch biographische Differenzen auf. Die Buchreihe rund um die forensische Anthropologin Tempe Brennan umfasst mittlerweile 18 Bände, wovon ich auf jeden Fall weitere lesen werde, da mir der Auftakt "Tote lügen nicht" bereits sehr gut gefallen hat.

Bewertung


Kommentare:

  1. Hallo liebe Kathi

    Obwohl du das Buch so gut bewertet hast, lese ich doch gemischte Gefühle aus deiner Rezension heraus. Deshalb bin ich mir nicht sicher, ob das Buch etwas für mich ist, obwohl ich genau recherchierte Beschreibungen liebe und Höchstspannung so oder so.

    Ich werde mir wohl zuerst einmal eine Leseprobe anschauen.
    Alles Liebe dir
    Livia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu liebe Livia,

      dann ist meine Rezension genau richtig bei dir angekommen! Zu Beginn zog sich die Geschichte für meinen Geschmack wirklich etwas zu sehr hin, aber wenn man es schafft sich die ersten 100 Seiten durchzubeißen, dann wird man mit einem furiosen Krimi belohnt, den man vor lauter Spannung nicht mehr aus der Hand legen kann!
      Gib mir doch Bescheid, wenn du das Buch tatsächlich lesen solltest, es würde mich brennend interessieren, ob es dir ähnlich wie mir ging!

      Ganz liebe Grüße,
      Kathi

      Löschen