Dienstag, 21. Mai 2019

INTERVIEW Janne Mommsen "Die Bücherinsel"

Guten Morgen liebe Büchermenschen!

Es ist noch gar nicht lange her, da haben wir Nikola Scott zu ihrem neuen Roman "Das Leuchten jenes Sommers" ausgequetscht, heute ist schon der Nächste an der Reihe, Janne Mommsen!

Ein Grenzgänger packt aus

© Manfred Witt
Janne Mommsen, der eigentlich Volkmar Nebe heißt und mittlerweile auf beide Namen reagiert, bezeichnet sich selbst als Grenzgänger, der sich gerne zwischen den unterschiedlichen Formen des Erzählens bewegt. Mit Kurzhörspielen im Rundfunk fing es an, danach folgten TV-Drehbücher, denen sich Romane und Theaterstücke anschlossen. Vielfältig ist auch sein Lebenslauf, der von Jobs wie Stahlarbeiter, Psychiatriehelfer, Lastwagenfahrer bis hin zum Barpianist reicht. Bevor er sich der Schriftstellerei zuwandte, war er nach seinem Musikstudium als Musiker und musikalischer Leiter an verschiedenen Theatern tätig. An der Schauspielschule Kiel ist er bis heute Dozent für Musical/Chanson. 


So ein vielseitiger Mensch hat uns natürlich neugierig gemacht, deshalb freuen wir uns riesig, dass Janne Mommsen sich die Zeit genommen hat, unsere Fragen zu seinem neuen Buch "Die Bücherinsel" und dem Mensch hinter den Geschichten zu beantworten: 😊

Was ist zuerst da? Die Ideen für die Handlung oder ein Protagonist, um den herum Sie die Geschichte aufbauen?

Mal so, mal so. Meistens gibt es ein Thema und eine Figur, die sich zusammenfügen.

Sandra kann nicht lesen und schreiben. Wie sind Sie auf die Idee gekommen das Thema Analphabetismus im Roman zu verarbeiten?

In meinem Roman "Die kleine Inselbuchhandlung" war Sandra eine Nebenfigur, die die Bücher im Antiquariat nach Farben sortiert, weil sie nicht lesen kann. Ihre Persönlichkeit hat mich einfach weiter interessiert. Dass sie Analphabetin ist, ist nicht unwichtig, aber vor allem ist sie eine sehr lebendige tolle Frau.

Ich finde, Sie haben mit Sandra eine wunderbare Protagonistin für dieses schwierige Thema geschaffen. Gab es für sie ein Vorbild? Woher nehmen Sie die kleinen Eigenheiten Ihrer Charaktere?

Zu Anfang war Sandra eine Idee. Beim Schreiben habe ich sie immer besser kennengelernt. Sie wurde schnell ein echter Mensch aus Fleisch und Blut, zog mich hierhin und dorthin. Manchmal habe ich mit den Augen gerollt und wollte sie warnen: "Tu’s nicht." Aber ich musste sie ins Verderben laufen lassen, um sie dann zu retten. Sandra und ich sind wirklich eng zusammengewachsen.

Ist es Ihnen im Alltag schon mal passiert, dass Sie überlegt haben, wie eine Ihrer Romanfiguren in dieser Situation handeln würde?

Klar, wenn ich schreibe, wohne ich mit meinen Figuren quasi in einer WG und wir machen alles zusammen.

In einem Satz: Wie sieht Ihr normaler Arbeitstag als Schriftsteller aus? 

Morgens ab 8 Uhr Schreibtisch, Ende offen, in intensiven Phasen erst in der Nacht.

Wie kann man sich Ihren Schreibplatz vorstellen? Aufgeräumter Schreibtisch, Cafétrubel oder bei gutem Wetter draußen an der frischen Luft?

An meinem chaotischen Schreibtisch geht es am besten, aber auch mit dem Laptop im Hotel.

Diese drei Bücher muss man Ihrer Meinung nach gelesen haben:

Diese Frage überfordert mich, es gibt einfach zu viele tolle Bücher …

Haben Ihre Familienmitglieder und Freunde Ihre Bücher gelesen? Wenn ja, was sagen Sie dazu?

Menschen, die mich privat kennen, sind oft überrascht, was so alles in meinem Kopf vor sich geht.

Wie sieht Ihre Vorbereitung für eine Lesung aus? Haben Sie ein bestimmtes Ritual?

Ich mache mir immer einen genauen Ablaufplan, an den ich jedes Mal fest glaube. Eingehalten habe ich ihn noch nie, ich bin – je nach Publikum – sehr spontan. Vor einer Lesung habe ich immer Lampenfieber und singe viel.

Neben Romanen schreiben Sie auch TV-Drehbücher und Theaterstücke. Inwieweit unterscheidet sich der Schreibprozess in diesen drei Formaten?

In den anderen Formaten bin ich nur Teil des Projektes, ich gebe die Handlung vor und schreibe die Dialoge. Auf Ausstattung, Regie, Schauspieler, Bühne, Drehorte habe ich kaum Einfluss. Über das Ergebnis bin ich immer sehr überrascht, meistens zum Glück positiv. In drei Wochen wird mein Theaterstück "Botter bi de Fisch" (Singles a la Carte) im Hamburger Ohnsorg-Theater uraufgeführt, dann geht es wieder los … 

Was machen Sie, wenn Sie gerade nicht an einem neuen Buch schreiben?

Musik machen, lesen, reisen, Theater, Kino …

Wenn Sie eine berühmte Persönlichkeit – egal ob lebendig oder tot – treffen dürften: Wer wäre es und warum?

Unter anderem Emma Thomson. Weil ich ihren britischen Humor umwerfend finde.

Das war:

Ihr seid neugierig auf mehr von Janne Mommsen? Dann schaut doch gleich mal auf seiner Internetseite vorbei. Falls ihr Appetit auf seinen neuen Roman "Die Bücherinsel" bekommen habt und noch ein paar Details wissen wollt, ist unsere Rezension vielleicht genau das Richtige, zu der ihr mit Klick auf den Titel kommt.

An dieser Stelle darf ein herzliches Dankeschön an den Rowohlt Verlag für die Vermittlung des Interviews und natürlich Janne Mommsen selbst nicht fehlen, der sich geduldig unseren Fragen angenommen hat, danke! 

Herzliche Grüße,

Kommentare:

  1. Hallo,

    das ist ein tolles Interview, vielen Dank. So kann man mal hinter die Fassade des Autoren blicken. Er hat ja wirklich schon viele Bücher geschrieben und ein paar davon kenne und mag ich auch.

    Liebe Grüße
    Barbara

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    1. Liebe Barbara,

      wir lieben Interviews mit Autoren gerade auch deshalb, weil man eben hinter die Fassade blicken kann. Schön, dass dir unsere Interviewfragen gefallen haben. :)

      Viele liebe Grüße
      Zwerghuhn

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  2. Huhu ihr beiden, ein wundervolles Interview. Ich kenne den Autor nicht bisher muss ich gestehen. Aber er hat sehr sympathisch geantwortet und als "Auch-Hamburger" sehe ich mich schon fast "gezwungen" mir das neueste Werk mal genauer anzusehen. Aktuell bin ich sehr verplant mit Büchern (grenzt schon fast an Job *lach*) aber wenn ich mich mal freischaufeln kann werde ich auf jeden Fall danach Ausschau halten.

    Liebe Grüße Lari (die gleich mal "hängenbleibt")

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    1. Hallo Lari,

      wir sind mit Büchern auch so verplant.:) Viele tolle Bücher ruhen auf unseren SUBs und wir schaffen es im Moment einfach nicht, sie zu lesen. Trotzdem kann ich dir "Die Bücherinsel" von Janne Mommsen nur ans Herz legen, mir hat es super gefallen.

      Viele liebe Grüße
      Zwerghuhn

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  3. Und noch einmal ich :-)

    Das ist ja wirklich ein spannendes Interview mit einer grossen Persönlichkeit. Zu meiner Schande habe ich noch kein von von Janne Mommsen gelesen und möchte das eigentlich schon lange einmal tun. Vor allem "Die kleine Inselbuchhandlung" hat es mir angetan, aber auch die anderen Bücher mit ihren tollen Covern machen wirklich sofort gute Laune.

    Ganz liebe Grüsse an euch
    Livia

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    1. Huhu liebe Livia,

      ich habe auch noch keins seiner Bücher gelesen, dafür hat dem Zwerghuhn "Die Bücherinsel" gut gefallen. Mich würde "Die kleine Inselbuchhandlung" von seinen Geschichten aber auch am meisten reizen. Wahrscheinlich kann man mit seinen gute Laune Büchern aber nichts falsch machen, egal welches man schlussendlich liest. :)

      Ganz liebe Grüße zurück,
      Kathi

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