Sonntag, 10. März 2019

REZENSION zu Das Seehospital

Buchinfo

Titel: Das Seehospital
Autorin: Helga Glaesener
Seitenzahl: 464
Erschienen: 19.02.2019
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3-499-27410-7
Preis: 10,00 €

An dieser Stelle geht zunächst ein herzliches Dankeschön an den Rowohlt Verlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Inhalt

Frida kehrt 1920 nur widerwillig zur Beerdigung ihres Großvaters auf ihre nordfriesische Heimatinsel Amrum zurück. Denn er hatte für sie zuletzt kein gutes Wort übrig, da er ihren Traum nach der Schwesternausbildung in Hamburg Medizin zu studieren für rasch vergehende Weiberflausen hielt. Als dem nicht so war, drehte er ihr kurzerhand den Geldhahn zu, obwohl der Insel-Patriarch eine vertrauenswürdige Ärztin in seinem kleinen Seehospital, in welchem lungenkranke Waisenkinder vom Festland genesen sollen, gut hätte gebrauchen können. Nach seinem Tod steht die Familie vor ihrem finanziellen Ruin und Fridas herrische Mutter will das Seehospital soll zu einem lukrativen Kurhotel umfunktionieren und die kranken Waisenkinder zurück nach Hamburg schicken. Von ihren drei Geschwistern kann Frida nicht viel Unterstützung erwarten und doch lässt sie ihr Medizinstudium ruhen, um für die Zukunft des Seehospitals und der Kinder zu kämpfen. Dass dieser eiserne Wille das ohnehin schon instabile Familiengerüst gehörig ins Wanken bringt, ahnt sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Erster Satz

"Großvater ist tot."

Eigene Meinung

"Das Seehospital" ist mir aus zweierlei Gründen ins Auge gefallen, zum einen wäre da das wunderschöne in hellen Blautönen gehaltene Cover, das an die dänischen Skagenmaler erinnert und mich eine lockere, leichte Geschichte erwarten lies. Zum anderen hatte ich nach der Fernsehserie "Die Charité" rund um die junge Hilfswärterin Ida, der ein Medizinstudium in Deutschland zur Kaiserzeit als Frau verwehrt wurde, richtig Lust auf eine starke weibliche Protagonistin, die für ihren Traum als Ärztin zu praktizieren kämpft. Ida Lenze und Frida Kirschbaum trennen knapp vierzig Jahre, in denen sich in der Medizin in Sachen Gleichberechtigung einiges getan hat. Allerdings spielt die Medizin in diesem Buch eher eine hintergründige Rolle, vielmehr handelt es sich um ein Portrait einer Familie, die nach einer Erbschaft an ihrer eigenen Habgier und dem Wunsch nach hohem gesellschaftlichem Ansehen zusehends auseinanderbricht. Die älteste Tochter, Frida, ist die kühle, berechnende Vernunft der Familie, die ihr Medizinstudium pausiert, um das Fortbestehen des Inselhospitals zu sichern. Sie ist die einzige, die offen Widerworte gegen ihre Mutter und ihren Stiefvater ausspricht, etwas das sich die beiden jüngeren Schwestern nie trauen würden, was ihnen letztlich zum Verhängnis wird. Die bedrohliche finanzielle Situation der Familie als Druckmittel verwendend, da Großvater zeitlebens scheinbar über seine Verhältnisse gelebt und einen Großteil des Erbes verprasst hat, verlangt die Mutter von ihren jüngsten Töchtern einen reichen Insulaner zu heiraten, worauf Louise und Emily mit unterschiedlichen Folgen in ihr Verderben schlittern. Generell hatte ich beim Lesen häufig den Eindruck, die Geschichte schlängele sich durch einen dichten Nebel in einem düsteren Wald aus Intrigen und Leid, das kein Ende findet. 

"Das Seehospital" erzählt die fesselnde Geschichte einer Familie in den 1920er Jahren, deren ohnehin marodes Gerüst durch Intrigen, Schicksalsschläge und jede Menge Leid zunehmend ins Wanken gerät. Dabei dient das Seehospital, ein Ort zur Genesung für lungenkranke Waisenkinder, auf der nordfriesischen Insel Amrum als atmosphärischer Ausgangsort des Dramas.

Bewertung

Kommentare:

  1. Heyhey meine Liebe

    Der erste Satz ist ja schon ziemlich krass...

    Mich spricht bei diesem Buch auch das Cover sehr an und dass das Buch noch eine Familiengeschichte erzählt, klingt wirklich spannend. Ich mag solche oft sehr vielschichtigen Erzählungen sehr gerne und deine begeisterte Rezension hat mich das Buch auf die Wunschliste setzen lassen :-)

    Alles Liebe
    Livia

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    1. Hallihallo liebe Livia,

      oh ja man steigt wirklich unmittelbar in die Geschichte ein, wie der erste Satz nur zu gut veranschaulicht. Das Cover ist wirklich wunderschön, nur hatte ich nicht erwartet, dass die Familiengeschichte so düster, aber wirklich lesenswert ist. :)

      Ich bin schon gespannt, wie dir das Buch gefällt, wenn es bei dir einzieht! :D

      Allerliebste Grüße,
      Kathi

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