Montag, 8. Oktober 2018

REZENSION zu Die Charité - Hoffnung und Schicksal

Buchinfo

Titel: Die Charité - Hoffnung und Schicksal
Reihe: Charité (Bd. 1)
Autorin: Ulrike Schweikert
Seitenzahl: 496
Erschienen: 26.06.2018
Verlag: Rowohlt polaris
ISBN: 978-3-499-27451-0
Preis: 14,99 €

An dieser Stelle geht zunächst ein herzliches Dankeschön an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Inhalt

Berlin 1831: Nachdem wochenlang die Angst umherging, die Cholera könne auch in Deutschland ausbrechen, fordert die absolut tödliche Krankheit nun ihr erstes Opfer, das unter grauenvollen Schmerzen stirbt. Fieberhaft versuchen Professor Dieffenbach und seine Kollegen in der Charité daraufhin den Überträger der Krankheit auszumachen und ein Heilmittel zu finden. Gleichzeitig führen drei Frauen ihren ganz persönlichen Kampf: Hebamme Martha verdingt sich nach einem tragischen Ereignis im Totenhaus der Charité, um ihrem Sohn ein besseres Leben zu ermöglichen, Gräfin Ludovica findet in der Ehe mit ihrem hypochondrischen Ehemann einzig und alleine Trost in den Gesprächen mit dem Arzt Dieffenbach und die junge Pflegerin Elisabeth entdeckt neben der Medizin verbotenerweise ihre Liebe zu einem Arzt.

Erster Satz

"Gnadenlos brannte die heiße Augustsonne 1831 auf Berlin herab."

Eigene Meinung

Als ich "Die Charité - Hoffnung und Schicksal" unter den Neuerscheinungen in der Buchhandlung entdeckt habe, wollte ich es unbedingt lesen, weil mich dieses Berliner Krankenhaus seit jeher fasziniert. Dieses Buch beleuchtet die Hintergründe der Charité im 19. Jahrhundert sehr eingehend und authentisch. Für mich als Medizinstudentin waren die detaillierten Beschreibungen der anatomischen Strukturen sowie der damaligen Operationsmethoden natürlich unglaublich begeisternd zu lesen, Zartbesaiteten würde ich allerdings eher von der Lektüre abraten. Zu damaligen Zeiten gab es keine Narkose, sodass die Patienten von kräftigen Männern auf eine Liege gedrückt werden mussten, wo man sie ohne Betäubung aufschnitt, was bei nicht wenigen Klienten zu sofortigem Herzstillstand führte. Für die Chirurgen hatte dies weitergehend den Nachteil, dass sie sich nicht auf die Perfektion der Operation konzentrieren konnten, sondern so schnell wie möglich agieren mussten, um den Körper des Patienten so kurz wie möglich zu belasten. Im Zentrum der Geschichte stehen verschiedene Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein können und doch ein gemeinsames Ziel haben: Menschen zu helfen. Professor Dieffenbach, dessen hier dargestellte Biografie fast genau der tatsächlichen entspricht, kämpft mit seinen Kollegen gegen Krankheiten wie die Cholera, indem sie fieberhaft nach Überträgern und Heilmitteln suchen. Gleichzeitig wird hier seine menschliche und verletzliche Seite unter dem schützenden Kittel des Wissens und der Weisheit gekonnt dargestellt, die eingehend zeigt, dass selbst die tugendhaftesten Menschen nicht unfehlbar sind. Auch wenn der Geschichte stets ein lobender Unterton innewohnt, wenn sie auf Professor Dieffenbach zu sprechen kommt, werden seine erlittenen Rückschläge wie beispielsweise die aufreibenden Sticheleien und Intrigen eines hochangesehenen Kollegen klar skizziert. Die Figur der Gräfin Ludovica scheint historisch nicht belegbar zu sein, und doch passt die emanzipierte, gebildete Dame von natürlich bezaubernder Schönheit perfekt in das Geschehen hinein. Somit könnte der Gegensatz zu ihrem hypochondrischen, stumpfen Ehemann nicht offensichtlicher sein, der ihre Rolle lediglich in der der stillen Hausfrau sieht, was der selbstbestimmten Gräfin zutiefst widerstrebt. Bei den zahlreichen Besuchen des Hausarztes Dieffenbach findet sie in ihm ihren Seelenverwandten und doch sind die beiden in ihren jeweiligen Verpflichtungen gefangen und müssen ihre Gefühle füreinander verbergen. Die dritte wichtige Frau im Bunde ist neben der Hebamme Martha die junge Pflegerin Elisabeth, die mit ihrer freundlichen, aufgeschlossenen Art und dem teilweise aufmüpfigen Ton gegenüber den Ärzten, für die Patienten eintritt, was nicht bei allen Medizinern auf Wohlwollen stößt. Der angenehm zurückhaltende Schreibstil schafft gekonnt den Handlungsrahmen und gibt den Protagonisten zugleich Raum sich zu entfalten.

"Die Charité - Hoffnung und Schicksal" erzählt von einigen Sternstunden der Medizin und wird getragen durch die stark ausgearbeiteten Charaktere und deren individuellen Lebenswege, die gekonnt in den historischen Kontext eingebettet wurden.

Bewertung

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Wenn du bei uns kommentierst, erklärst Du Dich einverstanden, dass personenbezogene Daten wie z.B. IP-Adresse, Standort deines Logins usw.) eventuell abgespeichert und für Statistiken z.B. von Google und anderen Suchmaschinen weiterverarbeitet werden.

Beim Setzen eines Hakens für weitere Benachrichtigungen auf Folgekommentare erklärst Du Dich ebenfalls einverstanden, dass personenbezogene Daten (z.B. IP-Adresse, Standort deines Logins etc.) abgespeichert werden.