Samstag, 8. April 2017

REZENSION zu Blood on Snow - Der Auftrag

Buchinfos

Titel: Blood on Snow - Der Auftrag
Autor: Jo Nesbø
Seitenzahl: 192
Erschienen: 25.09.2015
Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3-550-08077-7

Preis: 12,99 €

Inhalt

Olav Johansen ist ein Killer und bekommt von seinem Boss Daniel Hoffmann, dem Gangsterkönig Oslos, einen heiklen Auftrag: Er soll dessen untreue Ehefrau Corina aus dem Weg räumen. Dumm nur, dass Olav sich in sie verliebt und stattdessen ihren Liebhaber tötet, um das Problem auf diese Weise zu lösen. Denn der Liebhaber ist niemand geringeres als der einzige Sohn Hoffmanns. Während Olav der mysteriösen Frau zunehmend verfällt, setzt Hoffmann ein Kopfgeld auf den abtrünnigen Killer aus. Um sich und Corina sicher außer Landes zu bringen, sucht er Hilfe bei Hoffmanns größtem Konkurrenten: dem Fischer.


Eigene Meinung

Jo Nesbø wird international für seine Werke gefeiert, deshalb wollte ich unbedingt wissen, was genau an seinen Büchern so toll ist. Meine Wahl fiel nicht etwa auf seine Erfolgsreihe um den kaputten, aber aufrechten Polizisten Harry Hole, sondern auf den Auftakt seiner neuen Reihe "Blood on Snow - Der Auftrag". Leider hat mich dieses Buch ziemlich enttäuscht, weshalb es von mir nur drei Eier bekommt. Die Grundgeschichte ist allseits bekannt, es gibt zwei rivalisierende Gangsterbanden, die sich um die Herrschaft über eine bestimmte Stadt bekriegen, hier Hoffmann und Fischer, wobei ein Mann zwischen die Fronten gerät - Olaf Johansen. Obendrein gibt es noch eine verführerische, gutaussehende Frau, die alle Züge einer femme fatale trägt. Das einzige Novum: der Schauplatz. Normalerweise spielt sich diese klassische Art von Handlung in den USA ab, Jo Nesbø transferierte sie jedoch nach Oslo in den Siebzigern, was mir ganz gut gefiel. Denn von dem Optimismus der Sechziger berauscht, scheint das Oslo der dargestellten Zeit weder etwas von organisiertem Verbrechen noch von Drogen zu ahnen, obgleich es sich direkt vor den Augen der Bevölkerung abspielt, was nach und nach jedoch enthüllt wird. In einem Artikel der Zeitschrift SPIEGEL wird "Blood on Snow - Der Auftrag" gar als "Brillanter Pulp der alten Schule" tituliert, was durchaus zuzutreffen vermag, meinen Geschmack jedoch leider nicht so ganz trifft. Die Protagonisten empfand ich als langweilig und vorhersehbar, lediglich die Gestaltung des Hauptcharakters war erfrischend. Olav Johansen, der selbst als Erzähler fungiert, ist Auftragsmörder und das aus einem ganz pragmatischen Grund, den er zugleich mitliefert: "Es gibt vier Arten von Jobs, für die ich nicht zu gebrauchen bin. Einen Fluchtwagen fahren. [...] Raubüberfälle. [...] Drogen. [...] Prostitution." (S. 7ff.). Für andere kriminelle Tätigkeiten als das Töten scheint er nicht zu gebrauchen zu sein, dafür kann er das ziemlich gut. Er bleibt ruhig und scheint kein schlechtes Gewissen zu kennen, da es seine Zielpersonen allesamt verdient haben. Deshalb fand ich es auch recht verwunderlich zu lesen, dass er von seinem Umfeld als naiv beschrieben wird und sich selbst wohl auch so sieht. Olav ist ein sehr belesener Mensch, der neben seinen Lieblingsbüchern auch sein Leben in alternative Versionen umschreibt, wie es ihm beliebt, wodurch er als Erzähler teils unzuverlässig ist. Aus der Geschichte eines einsamen, skrupellosen Killers wird so eine rührselige Abenteuergeschichte, in welcher Olav Johansen als Held hervorgeht. Wem dies gefällt, der kann "Blood on Snow - Der Auftrag" ruhigen Gewissens lesen, wie auch die Fortsetzung "Blood on Snow - Das Versteck", meins ist es jedenfalls nicht.

Bewertung



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen