Mittwoch, 7. September 2016

REZENSION zu Bunker Diary

Buchinfos

Titel: Bunker Diary
Autor: Kevin Brooks
Seitenzahl: 288
Erschienen: 07.03.2013
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-71673-4

Preis: 8,95 €

Inhalt

Der sechzehnjährige Linus wird eines Morgens auf offener Straße von einem Fremden überwältigt und in einen Bunker gesperrt. Er ist der erste von insgesamt sechs Menschen, die von einem namenlosen Entführer festgehalten werden, dessen Identität ebenso unklar ist wie sein Motiv. Die neunjährige Jenny sowie vier Erwachsene folgen. Linus und seine Mitgefangenen suchen nach einem Weg in dieser gnadenlosen Situation das zwangsweise Miteinander erträglich zu machen, wobei sie der Willkür des unbekannten Täters ausgesetzt sind. Dieser beeinflusst nicht nur die Uhrzeit aus unerklärlichen Gründen sondern schickt mit Drogen versetztes Essen mit dem Aufzug nach unten in den Bunker oder lässt die Gefangenen gar hungern. Doch dann eskaliert die Situation, als er beginnt sie aufeinander loszuhetzen.

Eigene Meinung

"Bunker Diary" ist Kevin Brooks' viel diskutiertes Meisterwerk und hat nun auch Eingang in mein Bücherregal gefunden, wo es jedoch nicht lange verweilen musste, bis ich es innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe, da mich die Geschichte sofort gefesselt hat, sodass es von mir vier Eier bekommt. An der Betitelung der ersten Seite, "Montag, 30. Januar" wird sogleich deutlich, dass es sich bei diesem Buch, wie der Name bereits verrät, um ein Werk handelt, das komplett in Tagebuchform verfasst ist. Dadurch wird das Geschehen zum einen unmittelbar vermittelt, aber durch Linus' Einträge, die sich oftmals um seine eigene Vergangenheit drehen und für ihn eine Art Bewältigung derer darstellen, leben auch die anderen Personen, die kleine Jenny, die arrogante Anja, der knallharte Fred, der Naturphilosoph Russell und der ekelhafte Bird, auf. Durch die eingehende Beschreibung der anderen Akteure und deren Verhalten im engen Raum, wo es keinerlei Ausweichmöglichkeiten gibt, erhalten die Charaktere Kontur und man beginnt zunehmend sich vor manchen Personen, wie etwa Bird, zu gruseln. Doch das ist nichts im Vergleich zu dem Grauen, das man in Bezug auf den Entführer empfindet, der mithilfe der Kameras und Mikrofone in jedem Raum, einschließlich dem Bad, stets alles im Blick hat. Die Abhängigkeit von dem Unbekannten, der die sechs zwar mit lebensnotwendigen Dingen versorgt, sie aber auch für ihre Fluchtpläne bestraft, macht den Gefangenen genauso zu schaffen, wie die permanente Abwesenheit der anderen. Die einzige Konstante in dem Bunker ist der Aufzug, der einmal am Tag nach unten in den Bunker fährt und allerlei Überraschungen bereithält. Von mit Drogen versetztem Essen über Zeitungsauschnitte ihrer Entführungen bis hin zu einem tollwütigen Dobermann ist alles dabei. Nur keine Möglichkeit wieder an die Oberfläche zu gelangen. Irgendwann gehen einem die Ideen aus, was man dort unten machen kann, Linus beginnt zu philosophieren und seine Gedanken wandern immer wieder zu Liedern aus seiner Kindheit. Die Trübheit, die wie grauer Nebel aus den Seiten wabert, spürt man als Leser nur zu deutlich. Obwohl ich tief im Inneren schon ahnte, dass die Geschichte kein gutes Ende findet, habe ich mich, genau wie Linus, an jeden einzelnen Hoffnungsschimmer geklammert, auch wenn es davon nur sehr wenige gab. Als der Entführer plötzlich die Nahrungslieferungen abstellt und auch das Wasser ausbleibt, bekam ich selbst zunehmend eine trockene Kehle und konnte das vor Hunger entstandene Loch im Magen förmlich am eigenen Körper spüren. Besonders die letzten Seiten gehen unter die Haut und lassen einen aufgewühlt zurück. selbst nach Beenden des Buches hat mich die Geschichte nicht losgelassen, sondern spukt auch jetzt noch in meinem Kopf herum. Mit "Bunker Diary" ist Kevin Brooks ein Thriller gelungen, der dem Leser ein intensives Leseerlebnis beschert und mehr Fragen aufwirft als beantwortet. Empfehlen würde ich dieses spannungsgeladene Werk allerdings erst Lesern ab 16 Jahren, denn aufgrund der psychischen Gewalt und der Willkür des Unbekannten, der die sechs Bewohner des Bunkers ausgesetzt sind, sowie der physischen Gewalt, die sie sich gegenseitig antun, ist der Roman definitiv nichts für schwache Nerven.
 
Bewertung
 

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