Donnerstag, 2. Juni 2016

INTERVIEW Günther Klößinger "Blüten aus Babylon" Teil 1

Hey ihr Lieben!
 
Heute haben wir etwas ganz Besonderes für euch und sind zugleich unheimlich aufgeregt, denn es ist auch eine Premiere für uns. :)
 
„Die Leiche lehnte, auf den linken Ellbogen gestützt, in einer Ecke des winzigen Zimmers.“

Mit diesem Satz hat alles begonnen. Vor knapp 13 Jahren schrieb Günther Klößinger die Erstfassung von "Blüten aus Babylon", doch das Manuskript verschwand in der Schublade, wo es langsam Staub ansetzte. Eines Tages jedoch, sehr zu unserem Glück, wurde es wieder hervorgeholt, überarbeitet und veröffentlicht, sodass nun die ganze Buchwelt in die spannende Krimireihe um den launischen Inspektor Prancock und seine Familie eintauchen kann. Es mangelt nicht an actiongeladenen Szenen, einzigarten Charakteren und einem raffinierten Plot, der einen sofort in den Bann zieht.
  
Vor drei Wochen ist das freundlicherweise vom Autor zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar von "Blüten aus Babylon" beim Lesenden Federvieh eingetrudelt und ist gleich mit in den Urlaub nach Italien gefahren, wo es innerhalb kürzester Zeit verschlungen wurde, doch dazu Anfang der Woche mehr. Heute geht es nicht um die Geschichte an sich, sondern um den sympathischen Menschen hinter dem Buch, Günther Klößinger, der sich mit großem Eifer unseren Interviewfragen gestellt hat, von denen wir euch nun den ersten Teil vorstellen möchten.


Wie sind Sie auf die Idee gekommen ein Buch über Asketen zu schreiben? Woher nahmen Sie dabei ihre Infos? Haben Sie „echte“ Asketen aufgesucht?

Ich habe mich schon immer für Fragen des Glaubens und der Spiritualität interessiert und im Rahmen meines Studiums auch das Fach „Evangelische Religionslehre“ belegt. Hier habe ich meine Schwerpunkte auf unterschiedliche Glaubensströmungen und -gruppierungen gelegt. Der Verzicht auf Luxus oder bestimmte Speisen ist ja ein weit verbreitetes Phänomen, das man im Christentum z.B. zur Fastenzeit findet oder im Islam zum Fastenmonat Ramadan. Auch im Buddhismus ist Askese ein zentrales Motiv. Wir belächeln das in unserer Luxusgesellschaft manchmal zu schnell, denn ich glaube, oftmals konsumieren wir zu gedankenlos ohne zu hinterfragen, wozu wir das Gekaufte überhaupt brauchen. Ein Auto - Fortbewegungsmittel oder Prestigeobjekt? Ernährung - vor allem reichhaltig oder gesund?
Ich habe durchaus Sympathien für Menschen, die aus Glaubensgründen bewusst auf vieles verzichten, was für andere selbstverständlich ist. Da kenne ich auch einige Menschen mit unterschiedlichsten religiösen Motiven und Beweggründen.

Den „Bund der Asketen“, wie er im Roman beschrieben wird, gibt es so nicht. Er entstand aus einer Gedankenspielerei, in die ich meine Erfahrungen mit Menschen, für die Verzicht Teil ihrer Spiritualität ist, einfließen ließ. Ich habe das ein wenig überspitzt und auch mit einer Prise Ironie versehen und schon war der „Bund der Asketen“ geboren. Menschen, die Verzicht derart radikal leben, wie die Asketen in meinem Buch, kenne ich jedoch keine, aber das Gesamtbild entstand aus der jahrelangen Beschäftigung mit dem Thema und der Auseinandersetzung mit Menschen, die regelmäßig fasten, auf Luxus weitestgehend verzichten etc.
Wie stehen Sie zu dem Leben der Asketen? Wäre es eine Art für Sie zu leben?
Ich habe Respekt vor allen Leuten, die ihren Glauben ernst nehmen und nach bewussten Prämissen leben. Ich habe nur ein Problem, wenn alles zu dogmatisch gesehen und betrieben wird. Auch den kompletten Rückzug aus der Gesellschaft, wie er in manchen Sekten praktiziert wird, halte ich für höchst bedenklich. Ich denke, vieles, was die Asketen in meinem Buch ausleben, wäre mir einen Tick zu extrem, aber wertvolle Denkanstöße gibt es schon in ihrer Lehre. Ab und an genieße ich aber sehr gerne auch mal Luxus - seien es gute Bücher, Musik oder eben Gänsebraten…
Wie erschaffen Sie ihre Figuren? Haben Sie dabei konkrete Vorbilder? Schreiben Sie sich alle Details zu einer Person auf oder haben Sie die Informationen im Kopf?
Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Die Figur des Fox Prancock tauchte plötzlich einfach so vor meinem inneren Auge auf. Klar hat sich der Charakter im Laufe des Schreibens noch verfeinert und wurde diffiziler, aber im Großen und Ganzen stand die Figur mit der ersten spontanen Idee.
Für andere Personen, wie z.B. die Journalistin Ilka Trebes, gibt es tatsächlich konkrete Vorbilder aus dem Leben. Die betreffende Person ist zwar keine Reporterin und teilt auch nicht alle Wesenszüge mit der Romanfigur, aber der grundlegende Charakter ist identisch.
Wiederum andere Handlungsträger muss ich konstruieren, damit sie die Geschichte sinnvoll mittragen und ergänzen, wie z.B. Steffens in „Blüten aus Babylon“.
Da ich mit vielen Charakteren arbeite, notiere ich mir manche Äußerlichkeiten wie Haar- und Augenfarbe, welches Auto sie fahren, um später keine Fehler zu machen. Die Charaktereigenschaften habe ich jedoch im Kopf und brauche sie mir nicht extra zu notieren. Obwohl ja manche Figuren auch eine Art Eigenleben entwickeln und man sie im Prozess des Schreibens erst richtig kennenlernt. Das finde ich ein höchst spannendes Phänomen.
Ist es Ihnen im Alltag schon mal passiert, dass Sie überlegt haben, wie eine Ihrer Romanfiguren in dieser Situation handeln würde?
Das passiert mir öfters. Vor allem, wenn ich mit Ungerechtigkeiten zu tun habe und mit political correctness nicht weiterkomme, frage ich mich schon manchmal, wie Fox mit seiner rauhbeinigen Art mit der Situation umgehen würde.
Wenn man „Blüten aus Babylon“ verfilmen würde, was wäre Ihre Traumbesetzung?
Holla, das ist schwierig. Wobei ich natürlich klasse fände, wenn ich irgendwann mal tatsächlich vor diesem Problem stünde. Große Schauspieler fallen mir momentan keine ein, die wirklich hundertprozentig zu meinen Figuren, wie ich sie vor meinem inneren Auge erschaffen habe, passen würden, schon eher Leute aus meinem Bekanntenkreis. Im Ernstfall würde ich für ein Casting mit jungen, unbekannteren Talenten plädieren. Aber wenn ich mir einen Regisseur wünschen könnte, würde ich mir Wim Wenders wünschen, da ich denke, der könnte meine Bildsprache am ehesten in Filmbilder umsetzen.
Welche Art von Szenen schreiben Sie am liebsten und welche sind schwieriger?
So pauschal kann ich das nicht beantworten. prinzipiell schreibe ich gerne Szenen, in denen ich die Gefühlswelt der Protagonisten innerhalb des Geschehens ausführlicher beleuchten kann. Immer weiter in die Innenwelten der Handlungsträger einzutauchen finde ich ungeheuer spannend.
Aber auch Szenen voller Action machen Spaß, da kann man sich bisweilen richtig austoben.
Schwierig sind erotische Szenen, obwohl ich sie gerne mag. Aber gerade in diesem Bereich wirken Standardformulierungen oft platt und das finde ich schade - gerade bei diesem Thema.
Außerdem liebe ich es, Humor in die Story einzubringen.
Besonders schwierig finde ich im Krimi vor allem jene Passagen, in denen man die Zusammenhänge entwirrt und aufklärt. Das gerät allzu leicht zu einem reinen Erklärungsmarathon. Mir ist wichtig, diese Passagen so gut wie möglich mit Leben zu füllen, die Ausführungen in Dialoge zu verpacken oder sie sonst irgendwie unterhaltsam rüberzubringen.
Haben Sie in Ihrer Kindheit beziehungsweise Jugend schon gerne Kurzgeschichten oder Ähnliches geschrieben?
Seit ich sprechen kann, erzähle ich Geschichten und mit der Schulzeit begann ich, sie aufzuschreiben. Das waren größtenteils märchenhafte Erzählungen, Stücke fürs Kasperltheater und Erlebnisberichte. Unter einem Aufsatz in der zweiten Klasse vermerkte mein Lehrer: „Viel, manchmal zu viel Phantasie!“ - daran hat sich, so glaube ich, bis heute nichts geändert. Nur bin ich davon überzeugt, dass man nicht zu viel Phantasie haben kann.
Was schon vorbei? Keine Angst, Anfang der Woche gibt es den zweiten Teil unseres Interviews mit Günther Klößinger! Um euch die Wartezeit etwas zu vertreiben könnt ihr euch gleich einmal auf seiner kriminalistischen Seite und der märchenhaften Seite umsehen, zu der ihr bald etwas mehr erfahren werdet...
Viele liebe Grüße
 

Kommentare:

  1. Hallo Lesendes Federvieh :)
    Wow. Das Interview ist echt schön geworden. Die Fragen sind auch sehr interessant und ich bin schon gespannt auf morgen, um die Rezension zum Buch zu lesen bzw. näheres über den Inhalt des Buches zu hören.

    Liebe Grüße
    BlaueLotusbluete (von Blumiges Bücherparadies) :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo liebe Lotusbluete,

      es freut mich natürlich sehr, dass dir das Interview so gut gefallen hat. Ich hatte auch eine unheimliche Freude bei der Erstellung der Fragen und beim anschließenden Lesen der Antworten. :) Wegen einer kleinen Planänderung musst du dich noch ein wenig auf die Rezension gedulden, aber Anfang der Woche ist es dann soweit und du kannst mit Inspektor Prancock auf Verbrecherjagd gehen. :)

      Herzliche Grüße
      Kathi

      Löschen