Samstag, 6. Februar 2016

REZENSION zu Still - Chronik eines Mörders

Buchinfos

Titel: Still - Chronik eines Mörders
Autor: Thomas Raab
Seitenzahl: 368

Verlag: Droemer
ISBN: 978-3-426-19956-5

Preis: 19,99 €

Inhalt

Karl Heidemann ist etwas Besonderes: Er nimmt schon die leisesten Geräusche unendlich laut wahr. Es gibt nur eine Sache, die ihm Erlösung von der unendlichen Qual des Lärms der Welt verschafft und dabei handelt es sich um nichts anderes als die friedliche Stille des Todes. Schon in jungen Jahren hinterlässt er eine blutige Spur in seinem Heimatdorf Jettenbrunn, denn sein unfassbar sensibles Gehör ermöglicht es ihm, sich seinen Opfern lautlos wie ein Raubtier zu nähern, um diesen schließlich das Geschenk des Todes zu bringen. Überall wo Karl Heidemann auftaucht, sterben Menschen und das nicht zu knapp. Bis er eines Tages auf einen Schatz aus Fleisch und Blut stößt, der ihm das geben kann, wonach er sich sehnt: Liebe.

Eigene Meinung

Dieses Buch ist anders als all die Krimis, die sich auf den Tischen in den Bücherläden tummeln, in der Hoffnung von einer neugierigen Bücherseele gekauft und in deren Bücherregal einziehen zu dürfen. Die Besonderheit von "Still. Chronik eines Mörders", das ich mit vier Eiern bewertet habe, fällt schon nach dem Aufschlagen der ersten Seiten auf, denn das Buch beginnt mit den Worten: "Der Tag, an dem Karl starb, war ein guter Tag" (S.9). Damit sichert sich der Autor natürlich sogleich die ungeteilte Aufmerksamkeit der Leser, indem er das Schicksal des Protagonisten Karl Heidemann vorwegnimmt und so die Neugier auf das Kommende, sofern sie nicht schon längst besteht, auslöst. "Still" erzählt die Geschichte eines Mörders und zwar von Beginn an, seiner Geburt. Auf den ersten Blick wirken die Morde, die den kleinen Ort Jettenbrunn heimsuchen, grausam und absolut unvorstellbar, doch mit jeder Seite beginnt man Karl Heidemanns Beweggründe und sein sonderbares Verhalten zu verstehen. Erschreckenderweise ist mir plötzlich bewusst geworden, dass mir der junge Kerl mit der Zeit ans Herz gewachsen war und ich seine Handlungen teilweise sogar sehr gut nachvollziehen konnte. Seine Vorstellung, als Todbringer würde er Frieden über die Menschheit bringen und sie so von all ihren Sorgen und Schmerzen erlösen, fand ich in gewisser Weise rührend und doch war es beängstigend, wie Karl mit kindlicher Unschuld von der Richtigkeit seiner Taten überzeugt war, ohne auch nur den geringsten Zweifel zu haben. Die Geschichte des Karl Heidemann wird aber hauptsächlich durch ein Mittel so authentisch und : die große Sprachfertigkeit des Autors Thomas Raab. Mit Leichtigkeit schreibt er einen Thriller, dessen Schreibstil zunächst etwas befremdlich wirken mag, nach einigen Seiten offenbart sich allerdings die wahre Qualität und die Möglichkeiten des Erzählens, welche dadurch gewährleistet werden. In kurzen, prägnanten Sätzen und dabei stets in einem ruhigen, beherrschten Ton erzählt er die Geschichte und beschreibt damit Karl Heidemann selbst. Wer er ist, wie er denkt und wie er agiert: Still, schnell und unbemerkt. Ein weiterer Pluspunkt ist das Ausmaß und die Komplexität der Handlung. Ich meine damit keineswegs, dass sie kompliziert ist, sondern vielmehr das Gefühl, alles über das Leben einer einzigen Person erfahren zu haben und das gerade mal auf 360 Seiten. Karl Heidemann und sein Wirken vergisst man nicht so schnell. Es nistet sich im Gehirn ein wie eine giftige Schlange und regt durchaus zum Nachdenken an. Einen negativen Aspekt gibt es allerdings, den man erwähnen sollte. Obwohl das Ende des Buches, welches den Anfangsgedanken aufgreift, Karls Wesen und auch seine Lebensweise in Stille widerspiegelt, hat mich etwas daran gestört, was ich aber hier nicht genauer ausführen möchte, um nicht zu viel vorwegzunehmen. Es sei nur so viel gesagt: Es hat etwas mit dem Fortbestehen zu tun. Insgesamt ist "Still. Chronik eines Mörder" ein spannender Thriller aus der Feder des Bestsellerautors Thomas Raab, den es sich lohnt zu lesen, da man die Morde aus einer vollkommen neuen Perspektive betrachtet, die absolut fesselnd ist: die des Mörders. Aber Achtung, dieses Buch ist nichts für schwache Nerven! 

Bewertung

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