Sonntag, 14. Februar 2016

REZENSION zu Nicht ohne dich

Buchinfos

Titel: Nicht ohne dich
Originaltitel: Saving Rafael
Autorin: Leslie Erika Wilson
Seitenzahl: 382

Verlag: Boje
ISBN: 978-3-414-82284-0

Preis: 16,99 €

Inhalt

Die Familien Jakobi und Friedemann sind eng befreundet, wohnen direkt nebeneinander, ihre Kinder sind gemeinsam aufgewachsen und doch sind sie nicht gleich. Denn Edith, Markus und Raffi Jakobi sind Juden, die in dem von Nazis regierten Berlin als Abschaum gelten. Seit Hitler 1933 an die Macht kam, werden ihnen beinahe täglich Rechte entzogen, irgendwann dürfen die Juden nicht einmal mehr Schauplätze öffentlichen Lebens aufsuchen und der Umgang mit den arischen Bürgern ist ihnen strikt untersagt. Nachdem das Buchantiquariat der Jakobis und deren Wohnung in der Reichskristallnacht zerstört worden ist, müssen sie wegziehen. Aber die Friedemanns, allen voran die junge Jenny, sorgen sich weiterhin um das Wohlergehen von Edith, Markus und Raffi, indem sie ihre Freunde illegal mit Nahrungsmitteln versorgen. Dabei verlieben sich Jenny und Raffi ineinader, doch sie müssen vorsichtig sein, da ihre Liebe gegen das Gesetz geht. Als Rafaels Mutter ins KZ deportiert wird und er alleine zurückbleibt, da sein Vater schon Jahre zuvor gestorben ist, nehmen Jenny und ihre Mutter ihn bei sich auf und verstecken ihn. Das Versteck ist jedoch nicht sicher, denn ihre nationalsozialistischen Nachbarn denunzieren jeden einzelnen, der sich auffällig verhält. So scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Gestapo wieder an die Tür klopft, um die Verräter ins Konzentrationslager zu transportieren.

Eigene Meinung

Im Rahmen des AK Bibliothek in der Schule sollte ich das Buch "Nicht ohne dich" lesen und obwohl ich dem Buch gegenüber wegen der Kombination aus unpassendem Titel und eigenartigem Klappentext etwas skeptisch eingestellt war, hat mich die Geschichte schon von der ersten Seite an gefesselt und zutiefst berührt, sodass es von mir verdientermaßen fünf Eier bekommt. Bei Jugendbüchern wird oftmals ein großer Bogen um den wohl dunkelsten und zugleich wichtigsten Teil unserer Geschichte gemacht: Nationalsozialismus und der damit einhergehende Holocaust. Falls sich dennoch ein Autor an diese hochsensible Thematik heranwagt, ist die Handlung meist oberflächlich und spätestens beim Ende merkt man, dass es sich dabei um ein Jugendbuch handelt, da immer ein Happyend gibt, was meiner Meinung nach allerdings vollkommen unangebracht und unrealistisch ist. Ich kann sehr gut verstehen, dass man jungen Lesern die Grausamkeiten der damaligen Zeit so schonend wie möglich beibringen will, aber dennoch bin ich der Ansicht, dass sie wissen sollten, wie viele Menschen damals wegen der kranken Ideologie eines einzelnen Mannes, dem Millionen Menschen bedingungslos folgten, ums Leben gekommen sind. Diese Zahlen kann und soll man nicht schönreden. Genau das ist es nämlich, was mich an diesem Buch so beeindruckt hat. Schonungslos beginnt die Geschichte mit einem Prolog über  Jennys Aufenthalt im Mädchenkonzentrationslager Uckermark im Frühjahr 1944 , wo sie unter unmenschlichen Bedingungen schuften und den Gemeinheiten der dortigen Aufseherinnen ausgesetzt ist. Das erste Kapitel spielt Ende 1936, als Hitler schon einige Zeit an der Macht ist und die Juden zunehmend ihre Mündigkeit verlieren, wobei es im Vergleich zu den späteren Maßnahmen noch harmlos ist. Jenny, ihr älterer Bruder Karl, ihre Eltern, sowie das Hausmädchen Katrin, welche in der Art und Weise, wie sie später den Juden helfen sollte, eine wahre Heldin ist, wohnen direkt neben den Jakobis, die beinahe schon zur Familie zählen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich Familie Friedemann für Edith, Markus und Raffi einsetzen, und dabei sogar so weit gehen, ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen. Das ganze Buch hindurch war es bewundernswert zu verfolgen, wie die Friedemanns die Ideologie des Führers hinterfragten und die Richtigkeit seiner Maßnahmen anzweifelten. Sie setzten sich offen für ihre Freunde, die Jakobis, ein und zeigten somit, was wahre Zivilcourage bedeutet. Entgegen aller Warnungen des nationalsozialistisch angehauchten Onkel Hartmuts hielten sie ihre Loyalität aufrecht, auch wenn dabei einige ihr Leben lassen mussten. Ein weiterer Pluspunkt des Buches ist der Schreibstil der Autorin, denn sie versteht es hervorragend, in wenige Worte eine große Bedeutung zu legen, die tief berühren. Raffi schildert Jenny seine Sicht auf die Situation der Juden mit den Worten "Ein Albtraum, den jemand anders träumt und in den man uns jetzt zu leben zwingt." (S.28) und der Rabbi versucht den Jakobis und Friedemanns mit folgendem Ausspruch Mut und Zuversicht zu geben: "Ein Ozean von Dunkelheit liegt vor uns, aber wir dürfen nicht vergessen, dass jenseits davon ein Ozean von Licht und Liebe fließt." (S. 67). Die ganze Geschichte hindurch hatte ich das Gefühl, direkt am Geschehen teilzuhaben und Jenny, aus deren Perspektive das Buch geschrieben ist, bei ihrer Mission, Raffi vor den Nazis zu beschützen, zu begleiten. Die aufkeimende Liebe zwischen Raffi und Jenny, mildert die Grausamkeiten etwas ab, denn in einer Zeit, in der es nur Schlechtes zu geben scheint, ist sie ein kleiner Hoffnungsschimmer am Himmel. Imponiert hat mir auch die Herangehensweise an die Thematik, denn es wird nicht, wie häufig, aus der Perspektive eines verfolgten Juden erzählt, sondern aus der Sichtweise eines arischen Mädchens, deren Familie sich gegen das Unrecht einsetzt. Somit werden die Mitbürger Berlins gewürdigt, die tausenden von Juden währen der Nazizeit das Überleben ermöglichten. Insgesamt kann ich dieses Buch allen Jugendlichen ab 14 Jahren, die mehr über den Holocaust und den Nationalsozialismus aber auch ein wenig über die geschichtlichen Hintergründe wissen wollen, nur wärmstens empfehlen. 

Bewertung


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