Dienstag, 20. März 2018

REZENSION zu Sturmfeuer

Buchinfo

Titel: Sturmfeuer
Autor: Tim Erzberg
Seitenzahl: 400
Erschienen: 05.03.2018
Verlag: HarperCollins
ISBN: 978-3-95967-147-7
Preis: 15,00 €

Zunächst geht ein herzliches Dankeschön an den HarperCollins Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Inhalt

Alle zwei Jahre findet die Segelregatta für die Jüngsten vor Helgoland statt, doch dieses Mal findet das Rennen einen verheerenden Ausgang: Ein Junge verschwindet spurlos aus einem Segelboot und das nur wenige Meter vor dem Ziel. Nur wenige Tage später stürzt der Vater des vermissten 10-jährigen von den Klippen. An so viele Zufälle innerhalb kürzester Zeit und das auch noch in einer Familie glaubt die junge Polizistin Anna Krüger nicht. Was sowohl ihr Dienststellenleiter als auch das LKA als tragische Unfälle abtun, lässt Anna keine Ruhe und beginnt deshalb auf eigene Faust zu ermitteln. Doch auch sie hätte niemals damit gerechnet, dass die Wurzeln bis zu den höllischen Bombennächten von 1945 zurückreichen, in denen die Inselbewohner ihre Heimat verloren.

Erster Satz

"Die Augen des Alten starrten sie an, als hätte er den Teufel selbst gesehen."

Eigene Meinung

Letztes Jahr habe ich "Hell-Go-Land", den ersten Band der Krimireihe von Tim Erzberg gelesen, und war nunmehr gespannt, wie es mit Anna Krüger und ihren Kollegen in der Dienststelle auf Helgoland weitergeht, weshalb ich mich schon sehr auf "Sturmfeuer" gefreut habe, das vier Eier bekommt. Bei manchen Krimis gibt es zu Beginn viele einzelne lose Fadenenden, die man nicht recht zuzuordnen vermag. Genau so empfand ich es auch bei "Sturmfeuer", denn zwischen den einzelnen Kapiteln, die in der Gegenwart zumeist aus Annas Perspektive geschildert werden, befinden sich fett gedruckte Sequenzen, die zwar ein Datum mit Uhrzeit jedoch ohne Jahreszahl aufweisen, sodass sie für mich wie komplett aus dem Kontext gerissen wirkten. Zumal sie nicht einmal chronologisch sind, auf den 17. April folgt der 15., dann wieder ein paarmal der 17. April, nur um darauf wieder zum 15. zurückzuspringen. Gegen Ende des Buches klärt sich das natürlich auf, während des Lesens sorgte es bei mir allerdings für Verwirrung gepaart mit zunehmendem Unmut. Relativ schleppend nahmen auch die Ermittlungen nach den packenden Anfangsszenen an Tempo zu, was mit der eingehenden Beschreibung der Migräneattacken von Anna Krüger zu kompensieren versucht wurde, wie ich den Eindruck hatte. Es ist ja durchaus bewundernswert, wie es dem Erzähler gelingt, den Schmerz namens "Stalin" auf so vielfältige Art und Weise zu beschreiben, wie folgende Beispiele zeigen sollen, aber auf Dauer hat es die Handlung meines Erachtens etwas in den Hintergrund gedrängt: "Stalin feuerte eine Salve in ihre Stirn, dass ihr kurz schwindelig wurde." (S. 99), "Stalin zog seine Peitschen durch ihr Gehirn" (S. 105), "Stalin setzte Annas Stirn unter Strom." (S. 113), "Stalin bohrte in ihrem Hinterkopf." (S. 117) und "Stalin feuerte aus allen Rohren." (S. 127). Obgleich ich einiges an diesem Buch auszusetzen hatte und das besonders während des ersten Drittels, soll es dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Sturmfeuer" ein durchaus empfehlenswerter Kriminalroman mit schaurig schönem Schauplatz Helgoland ist, wo die Uhren alle ein wenig anders ticken. Man muss sich schon bewusst entscheiden, auf dieser Insel leben zu können, so abgeschieden vom Rest der Welt, der geringen Bevölkerungsanzahl und den Naturgewalten, die neben dem ein oder anderen Verrückten ihr Unwesen auf Helgoland treiben, was man auch an den etwas eigensinnigen Charakteren spürt.

"Sturmfeuer" verknüpft die Ereignisse während des Zweiten Weltkrieges, als die Inselbewohner im Zuge der Bombenangriffe ihre Heimat verloren, geschickt mit der Gegenwart, in welcher ein tragischer Unfall dem nächsten zu folgen scheint, und gewinnt dabei durch die authentische Kulisse und die eigenwilligen Charaktere an Wert.

Bewertung

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